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Autor Druckansicht   Thema: Was lest ihr zurzeit?
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C-Real

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erstellt am 20.09.2014 um 20:55 Uhr   Homepage besuchen  ICQ 257806157  Zitatantwort        #1894283

Ich hatte Dickens ja seit längerem beiseite gelegt und auch nach einem Reaktivierungsversuch nicht wieder aufgenommen. Dafür habe ich heute mal ein Jugendbuch durchgeballert (140 Seiten, sehr viele Absätze und leicht lesbar), welches vor einigen Jahren ein paar Kontroversen ausgelöst hat:

Nichts - Was im Leben wirklich zählt. Von Janne Teller, aus Dänemark. Es geht um einen Schüler, der im neuen Schuljahr schlicht behauptet nichts habe eine Bedeutung. Seine Mitschülerschaft will ihm beweisen, dass diese Aussage Humbug ist, sodass sie damit beginnen einen "Berg der Bedeutung" zu schaffen: Ein Haufen ihnen wichtiger Dinge. Das soll den Querulant überzeugen. Aber eben das geht ziemlich aus dem Ruder.

So die übliche Inhaltsangabe. Und der ebenfalls häufige Vergleich mit "Herr der Fliegen" und "Die Welle" ist absolut gerechtfertigt. Von denen Beiden kenne ich nur letzteres. "Nichts" ist definitiv besser. Ohne zu viel verraten zu wollen, aber: Es ist eines der ganz, ganz wenigen Kulturprodukte, welchem ich das inflationär und oft falsch gebrauchte Attribut "nihilistisch" durchaus zugestehen würde. Und das als Jugendbuch! Es erfordert einen aktiv mitdenkenden Leser.

Spoiler:
Es gibt keinen moralischen Zeigefinger am Ende. Und anscheinend hat der Quergeist recht gehabt: Nichts hat so recht eine Bedeutung - auch wenn er dafür mit dem Leben bezahlen musste.

Freilich muss man sich etwas auf das Buch einlassen. Wäre ich der Autor gewesen, hätte ich einen anderen stilistischen Zugang bezüglich der Erzählperspektive bei den Jugendlichen gewählt. Hier und da ist das Buch auch einfach zu kurz. Manche Situation hätten ausführlicher beschrieben gehört, um die ganze Tragweite noch genauer auszumalen - egal wie sehr sich das Buch an einen mündigen Leser richtet. Und dann gibt es die Angewohnheit etwas mit Cliffhangern zu arbeiten. Man kann das natürlich auf die Ausrichtung am Zielpublikum (ungefähr ab 13, 14 Jahren) schieben, aber ein bisschen weniger gezwungene Spannungsschraube wäre auch völlig in Ordnung gewesen.

Von diesen paar Kritikpunkten einmal abgesehen, ein verdammt gutes und fesselndes Buch. Jugendliche sollten's auf jeden Fall lesen. Viel mehr kann man eigentlich nicht verraten.

4.5/5

P.S. In punkto Nihilismus wird das Buch auch gern mit einem 18er-Film eines gewissen Regisseurs vergleichen, den man dafür auch als einen Widerling empfunden hat. Sicherheitshalber im Spoiler:
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Neithan

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erstellt am 22.09.2014 um 02:07 Uhr   Homepage besuchen    Zitatantwort        #1894409

Ich hab die letzten Tage Swords and Deviltry und Swords Against Death von Fritz Leiber gelesen, und muss sagen die waren beide ziemlich schlechte. Letzteres einfach nur nicht gut, ersteres leider schmerzhaft schlecht.

Hab jetzt mit der Sammlung Swords and Dark Magic angefangen (Ähnlichkeit der Titel vollkommen beabsichtigt) und zumindest die erste Geschichte von Steve Eriksson war auch nicht gut. Von der Sprache her zwar sichtbar besser, aber die Handlung genauso dumm.

Mich beschleicht langsam die Befürchtung, das außer Robert Howard im Sword & Sorcery Genre kaum irendwas qualitatives vorhanden ist. Und das ist nun auch schon wieder fast 80 Jahre her.

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Karras

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erstellt am 20.10.2014 um 12:02 Uhr       Zitatantwort        #1896648

Mal ne Frage: Lässt sich Frank Herberts "Dune" heutzutage noch gut lesen oder ist das super altbacken geschrieben?

--
Karras

Aylaschijian

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erstellt am 20.10.2014 um 12:37 Uhr       Zitatantwort        #1896650

Ich hatte das erste Buch mal in der Hand, daher kann ich eigentlich nicht viel dazu sagen.

Der Stil erinnerte mich aber an Umberto Ecos "Im Namen der Rose", falls du das kennst, was natürlich erstens subjektiv ist und zweitens es durchaus Unterschiede zwischen den beiden gibt.

Ob das altbacken ist, kann ich dir nicht sagen. Es ließt sich nicht so wie das Silmarillion.

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Wedge

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erstellt am 20.10.2014 um 13:36 Uhr     ICQ 330224639  Zitatantwort        #1896657

Find ich nicht. Ist aber halt auch ein Buch über ein ausgesprochen komplexes Universum, bei dem man Altbackenheit vielleicht gern mal mit Breite in der Erzählung gleichsetzen tut, wenn man das halt als altbacken klassifiziert.

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Godfather101

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EVE-Mentor

erstellt am 20.10.2014 um 17:31 Uhr       Zitatantwort        #1896664

Ich fand es nicht altbacken sondern echt gut geschrieben.
Weiss garnichtmehr wieviele Bücher ich aus dem Dune-universum gelesen habe, waren schon einige von Herbert.
Haben mir sehr gut gefallen.
Altbacken wirkte da nix auf mich.

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Karras

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erstellt am 20.10.2014 um 22:18 Uhr       Zitatantwort        #1896681

Wieviele gibts denn da? Ich dachte "Dune" selber wäre einfach der Klassiker und das wars.

--
Karras

Wedge

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erstellt am 20.10.2014 um 23:13 Uhr     ICQ 330224639  Zitatantwort        #1896688

Also die komplette Dune Serie umfasst inzwischen 19 oder 20 Bücher, von Frank Herbert himself sind aber die sechs

- Dune
- Dune Messiah
- Children of Dune
- God Emperor of Dune
- Heretics of Dune
- Chapterhouse: Dune

- plus so eine Art Dune-Guide namens The Road to Dune

Buch 7 & 8 sind Hunters of Dune und Sandworms of Dune, die beide auf unvollendeten Skripten von F. Herbert basieren und den Dune-Zyklus so beenden, wie er das vorhatte, sind aber halt von seinem Sohneman und nem anderen Typen geschrieben.

Diese beiden sind dann auch die, die die ganzen anderen Bücher geschrieben haben, deren Qualität wohl sehr schwanken soll. Gelesen habe ich die noch nicht.


Btw, Frank Herbert hat durchaus noch andere Science Fiction geschrieben. Hellstrom's Hive, The Lazarus Project und The Godmakers fallen mir da spontan ein, bzw halt die zwei anderen großen Serien neben Dune: WorShip und ConSentient. Dreht sich wie bei Dune um Religion, Ethik, Ökologie, Politik, Soziologie, sprich das Genre der Planetary Romance.

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Neithan

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erstellt am 20.10.2014 um 23:28 Uhr   Homepage besuchen    Zitatantwort        #1896691

Mich wundert das auch immer, dass da so viele und dicke Bücher sind. Von allem was ich über die Story gehört habe, klingt es nach einem recht einfach gestrickten 300-Seiten-Büchlein.

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Rabenrecht

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erstellt am 21.10.2014 um 00:03 Uhr       Zitatantwort        #1896694

Neithan schrieb am 22.09.2014 um 02:07 Uhr:
Mich beschleicht langsam die Befürchtung, das außer Robert Howard im Sword & Sorcery Genre kaum irendwas qualitatives vorhanden ist. Und das ist nun auch schon wieder fast 80 Jahre her.


Hmm, hast du mal was von David Gemmell gelesen? Ich will den Herrn jetzt nicht als literarischen Meister anpreisen. Die Qualität seiner Bücher schwankt, aber er hat, in meinen Augen, durchaus einiges brauchbares zu Papier gebracht.

Zumindest "Die Legende"* kann ich jedem Freund des Sword & Sorcery Genres (obwohl in diesem Fall mehr Sword und wenig bis gar kein Sorcery ) empfehlen.

* Nicht zu verwechseln mit "Druss - Die Legende" vom gleichen Autor Um die Sache noch verwirrender zu machen handeln beide Bücher von der Figur des Drenai-Kriegers Druss, erzählen aber unterschiedliche Episoden aus dessen Leben.
De/Movit

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erstellt am 21.10.2014 um 00:19 Uhr   Homepage besuchen    Zitatantwort        #1896695

Karras schrieb am 20.10.2014 um 12:02 Uhr:
Mal ne Frage: Lässt sich Frank Herberts "Dune" heutzutage noch gut lesen oder ist das super altbacken geschrieben?

An der Sprache scheitert es nicht, eher am Stil. Herbert war ein verkappter Religionsfan. Im Kern erzählt er die Geschichte eines Djihads und seine Auswirkungen über einen langen Zeitraum. Daher nehmen die diversen Glaubensgemeinschaften einen deutlichen Schwerpunkt in der Darstellung ein und dementsprechend ist die Erzählung ein wenig salbungsvoll oder auch esoterisch. Die Lynch-Verfilmung trifft es eigentlich ganz gut.

Was unter Strich bleibt, ist immer noch eine der durchdachtesten und gleichzeitig faszinierendsten SciFi-Welten, die so nur schwer zu kopieren und damit einzigartig ist.

Die ersten drei Bände sind ganz gut zu lesen und bilden innerhalb des Sextetts auch einen abgeschlossenen Rahmen. Das sind auch die, die vom SciFi-Channel verfilmt wurden (hierzulande bei Pro7 ausgestrahlt). Die letzten drei werden schon mühseliger, weil sich das Muster verbraucht und die Neuartigkeit verflogen ist. Die Esoterik kann einem da schon langsam auf den Keks gehen. Wenn man sich für das Universum aber interessiert, bilden sie einen schönen Abschluss.

Zu allen anderen Bänden, die ich selbst nicht kenne, meinen die Kritiker, dass die Welt auch gut ohne sie hätte leben können. Demnach entscheidest wohl du nach Vollendung des sechsten Bandes, ob du unbedingt mehr wissen willst. Inhaltlich werden einfach die Verflechtungen der handlungsbestimmenden Häuser Corino, Atreides und Harkonnen im Vorfeld durchleuchtet, einige Schlüsselbegriffe der Mythologie beleuchtet (Butlers Djihad).

Kevin J. Anderson heißt übrigens der Autor, der mit Brian Herbert die Zusatzbücher geschrieben hat. Ist kein unbekannter Autor, aber auch nicht unbedingt der leuchtendste Stern im SciFi-/Fantasy-Sektor. Typische Karriere wie viele andere Star-Wars-/D&D-Autoren auch, außer Dune keine bedeutenderen Eigenkreationen.
Wedge

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erstellt am 21.10.2014 um 00:48 Uhr     ICQ 330224639  Zitatantwort        #1896699

Hm, Frank Herbert war zweifelsfrei ein Mann mit vielen Interessen, darunter unter anderem Evolution, der menschliche Überlebenskampf, Soziolgie, Ökology, Ökonomie, Psychologie, Philosophie, das was man allgemein so als Spiritualit und Mystizismus bezeichnet, Zen (Bhuddismus) und besonders und vor allem das ewig verwobene und brutale Zusammenspiel von allen Formen der Religion, Politik und Macht.

Der Mann war im gleichen Maße ein verkappter Religionsfan wie ein Geologe ein verkappter Erosionsfan ist. Was auch immer das jetzt überhaupt bedeuten soll. Und Dune hat vermutlich wie kein anderes weltberühmtes SF-Buch die Leserschaft in den Atheismus getrieben...

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De/Movit

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erstellt am 21.10.2014 um 09:02 Uhr   Homepage besuchen    Zitatantwort        #1896711

Ich kenne von Herbert nur Dune, und da sticht das Thema Religion imho vor allen anderen heraus, bspw. durch zahllose Zitate aus den Glaubensbüchern (orange-katholische Bibel) und die inneren Monologe von Paul über den Djihad oder auch allein die Titel der Bücher (Dune Messiah, God Emperor, Chapterhouse, Heretics). Die anderen Themen, die du genannt hast. kommen zwar auch irgendwie vor, aber mit Ausnahme des Machtspiels (in einem Gottesstaat) doch eher oberflächlich und immer aus dem Blickwinkel der religiös verbrämten Ideologien.
Neithan

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erstellt am 21.10.2014 um 12:09 Uhr   Homepage besuchen    Zitatantwort        #1896721

Rabenrecht schrieb am 21.10.2014 um 00:03 Uhr:

Hmm, hast du mal was von David Gemmell gelesen? Ich will den Herrn jetzt nicht als literarischen Meister anpreisen. Die Qualität seiner Bücher schwankt, aber er hat, in meinen Augen, durchaus einiges brauchbares zu Papier gebracht.

Ja, hab vor zwei Wochen Legend durch gelesen. Durchaus ganz nett und mal was anderes als immer nur die gleichen Archetypen und Motivationen.
Fands jetzt aber nicht so berauschend. Letztendlich wars doch nur normale Menschen, die gegen andere normale Menschen kämpfen. Der Schamane hat zwei Szenen in denen er telepatisch gegen die 30 und Rek kämpft, von denen der Rest der Welt nichts mitbekommt.
Mir fehlen da dann doch die Monster und Magie, und die Action fand ich auch nicht so überwältigend. Die Story vom alten Krieger, der die chancenlosen Truppen motiviert ist ziemlich gut, aber ich bin sehr verwundert, dass das Buch ständig auf Empfehlungslisten für Sword & Sorcery auftaucht. Es hat dann doch einen deutlich anderen Stil.

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Johi

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erstellt am 26.10.2014 um 17:54 Uhr       Zitatantwort        #1897018

C-Real schrieb am 20.09.2014 um 20:55 Uhr:

Ich hatte Dickens ja seit längerem beiseite gelegt und auch nach einem Reaktivierungsversuch nicht wieder aufgenommen. Dafür habe ich heute mal ein Jugendbuch durchgeballert (140 Seiten, sehr viele Absätze und leicht lesbar), welches vor einigen Jahren ein paar Kontroversen ausgelöst hat:

Nichts - Was im Leben wirklich zählt. Von Janne Teller, aus Dänemark. Es geht um einen Schüler, der im neuen Schuljahr schlicht behauptet nichts habe eine Bedeutung. Seine Mitschülerschaft will ihm beweisen, dass diese Aussage Humbug ist, sodass sie damit beginnen einen "Berg der Bedeutung" zu schaffen: Ein Haufen ihnen wichtiger Dinge. Das soll den Querulant überzeugen. Aber eben das geht ziemlich aus dem Ruder.

So die übliche Inhaltsangabe. Und der ebenfalls häufige Vergleich mit "Herr der Fliegen" und "Die Welle" ist absolut gerechtfertigt. Von denen Beiden kenne ich nur letzteres. "Nichts" ist definitiv besser. Ohne zu viel verraten zu wollen, aber: Es ist eines der ganz, ganz wenigen Kulturprodukte, welchem ich das inflationär und oft falsch gebrauchte Attribut "nihilistisch" durchaus zugestehen würde. Und das als Jugendbuch! Es erfordert einen aktiv mitdenkenden Leser.

Spoiler:
Es gibt keinen moralischen Zeigefinger am Ende. Und anscheinend hat der Quergeist recht gehabt: Nichts hat so recht eine Bedeutung - auch wenn er dafür mit dem Leben bezahlen musste.

Freilich muss man sich etwas auf das Buch einlassen. Wäre ich der Autor gewesen, hätte ich einen anderen stilistischen Zugang bezüglich der Erzählperspektive bei den Jugendlichen gewählt. Hier und da ist das Buch auch einfach zu kurz. Manche Situation hätten ausführlicher beschrieben gehört, um die ganze Tragweite noch genauer auszumalen - egal wie sehr sich das Buch an einen mündigen Leser richtet. Und dann gibt es die Angewohnheit etwas mit Cliffhangern zu arbeiten. Man kann das natürlich auf die Ausrichtung am Zielpublikum (ungefähr ab 13, 14 Jahren) schieben, aber ein bisschen weniger gezwungene Spannungsschraube wäre auch völlig in Ordnung gewesen.

Von diesen paar Kritikpunkten einmal abgesehen, ein verdammt gutes und fesselndes Buch. Jugendliche sollten's auf jeden Fall lesen. Viel mehr kann man eigentlich nicht verraten.

4.5/5

P.S. In punkto Nihilismus wird das Buch auch gern mit einem 18er-Film eines gewissen Regisseurs vergleichen, den man dafür auch als einen Widerling empfunden hat. Sicherheitshalber im Spoiler:
Spoiler:
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Danke für den Tip, werd ich mir auch mal zu Gemüte führen!

--




Lavernac

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erstellt am 06.11.2014 um 23:32 Uhr       Zitatantwort        #1897797

Also The Corner von David Simon und Ed Burns ist schon verdammt heftig. Ich glaube ich habe noch nie ein Buch mit so wenig Hoffnung gelesen.
Was nicht bedeutet, dass es schlecht ist, ganz im Gegenteil, aber es ist schon stellenweise hart bei der Stange zu bleiben.

--
momentaner Tonträger #1 - Stiff Little Fingers - Hanx!

Karras

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erstellt am 31.12.2014 um 11:39 Uhr       Zitatantwort        #1902178

Ich habe die letzten Monate nur Uniliteraur gelesen, aber durchaus gutes Zeug dabei, hier die Highlights:

Richard Matheson - I am Legend Im Gegensatz zum grottigen Film mit Will Smith, ist das Buch einer der Klassiker der Vampir und Postapokalypischen Literatur, mehr eine lange Erzählung als ein Roman mit seinen 120-160 Seiten (je nach Ausgabe)

Cormac McCarthy - The Road Habe ich nun zum zweiten Mal gelesen, das erste mal 2008 oder 2009 oder so, wer keine Angst hat eine Postapokalypse zu lesen die wirklich komplett trostlos und düster, dafür aber realistisch, böse und in toller Sprache geschrieben ist, wird mit diesem Pulitzer Preis Gewinner gut fahren. Erwartet aber keine großen Erklärungen für das Ende der Welt, das ist nicht der Fokus und wird nur kurz in einem Halbsatz mal angedeutet. Auch The Road liest sich schnell und ist nicht sehr lang. Die Film Umsetzung ist übrigens fast Szene für Szene 1:1 sehr nah umgesetzt bis auf einige Kleinigkeiten am Ende des Films.

J.M. Coetzee - Disgrace Komplett andere Richtung aus der Postkolonialen / Ecocriticism Ecke, ein Roman über einen Professor in Südafrika, der so unglaublich unsympathisch ist und immer noch unsympathischer wird. Der Name des Romans ist hier Programm. Thema sind das weiße Dilemma im Postapartheid Südafrika und es ist gleichzeitig eine zugegenermaßen leicht deprimierende Charakterstudie eines alternden Professors, der im Grunde genommen höchst unzufrieden mit seinem Leben ist, aber auch für nichts Reue empfindet und es so nach und nach immer noch schlimmer macht, will hier nicht zu viel spoilern. Auch hier sprachlich gelungen ohne zu dröge rüberzukommen. Pulitzer und Man Booker Prize Gewinner.
Spoiler:
Kommt auch Grausamkeit gegenüber Tieren vor, wer sowas also nicht lesen kann, sollte die Finger davon lassen.


Margaret Atwood - Oryx and Crake Der erste Teil einer Postapokalyptischen/Dystopia Trilogie, der sich aber durchaus auch gut als Einzelwerk liest. Ich hatte früher eher meine Probleme mit Atwood, in der Schule musste ich Handmaid's Tale aus den 80ern lesen, eine Dystopie aus Frauenperspektive einer Dienerin, mit der ich zu der Zeit nicht viel anfangen konnte. Auch das noch ältere Surfacing (von 1972), was ich dieses Jahr gelesen habe, fand ich als Gesamtstory eher nervig, auch wenn mir manche Aspekte davon gefallen haben, wie die intensive Charakterstudie der jungen Protagonistin, die emotional verarmt ist und nicht so recht weiß was sie mit ihrem Leben anstellen soll um glücklich zu werden. Ein Portrait was ich heute eigentlich noch viel aktueller fand. Aber zurück zu Oryx and Crake, es ist alles was ich von Atwood aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen nicht erwartet hatte. Es ist wild, es ist schamlos, es ist äußerst kreativ, eine tolle schnell zu lesende Dystopie in einem Setting was vielen hier als Cyberpunk geläufig wäre, sie selbst nennt es speculative fiction, da der Roman durchaus aufgrund einfach nur auf dem weiter denken bisheriger real existierender Bedingungen beruht. Es ist eine Welt der allmächtigen Corporations in denen Nationen und die Politik keine wirkliche Rolle mehr spielen, in denen die Städte von den Corporation Complexes getrennt sind. Letztere sind eigenständig und beeinhalten alles was für ihr gelingen notwendig ist. Genetic Engineering spielt hier die größte Rolle als Forschungs und Wirtschafszweig. Die Städte, die hier oft als "pleeblands" bezeichnet werden und an die Bezeichnung der "Plebejer" im alten Rom für das einfache Volk erinnert, zeigen schon den enormen Klassenunterschied, in der Corporate Propaganda werden sie als Hort von Seuchen und Erregern gesehen und gleichzeitig als reiner Absatzmarkt und Experimentierungsraum für ihre Produkte genutzt. Der Nachwuchs der Wissenschaftler der Corporations (die beiden Protagonisten entstammen diesem Nachwuchs) spielen in ihrer Freizeit brutale oder moralisch grausame Simulationen und Spiele oder ziehen sich unter Drogenkonsum Hardcore Pornographie verschiedenster Varianten rein und wenn sie versiert sind, hacken sie auch ein wenig. Interessant ist auch die Chronologie des Erzählstrangs, es startet in der Postapokalypse nach dem Kollaps, erklärt hier aber noch nichts und den Großteil des Romans bilden Rückblenden des Protagonisten Jimmy, die die Zeit von seiner Schulzeit bis zu seiner Zeit als jungem Mann und dem Kollaps umfassen, an dem er nicht unbeteiligt war. Ich glaube der Hauptgrund warum es mir so gefallen hat, ist das Atwood hier wirklich eine tolle Welt geschaffen hat auch wenn keine der Hauptideen komplett neu sind. Ich fands gut genug mir den zweiten Teil gleich auch noch zu besorgen, der anscheinend nicht ein straightes Sequel ist sondern eine andere Perspektive durch andere Charaktere ermöglicht, wovon ich mir noch mehr Einsicht in verschiedene Aspekte der Welt verspreche.

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Karras

Wedge

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erstellt am 31.12.2014 um 12:38 Uhr     ICQ 330224639  Zitatantwort        #1902185

Sie nennt es Speculative Fiction, weil Science Fiction in all seinen Formen ekelig und dreckig und die Literatur des Pöbels ist. ^^

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Lavernac

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erstellt am 31.12.2014 um 20:20 Uhr       Zitatantwort        #1902214

Absolut empfehlenswert:

George Pelecanos "Big Blowdown" Trillogie.

Da mein Internetstick gerade mal wieder so schwach ist, dass er Wiki nicht öffnen kann, kann ich euch den Titel von Teil 1 nicht nennen. Mist.

1) ???
2) King Suckerman
3) Eine süsse Ewigkeit

Man merkt schnell das Pelecanos Schreiber für "the Wire" war. Die Geschichte spielt in DC und deckt einige Jahrzehnte aus Sicht der griechischen Einwanderer Familie Karras ab.
Teil 1 spielt in den späten 40igern als sich die das Verbrechen begann die Stadt aufzuteilen. In Teil 2 sehen wir nun den Sohn des ersten Protagonisten Dimitri Karras im DC der 70iger. Hier geht es neben dem üblichen Blutvergiessen um viel P Funk, Basketball und die Frage ob Jimi nun Rock oder Soul gemacht hat. Der letzte Teil spielt in den 80igern. Wieder ist Dimitri der Protagonist und erleben mit wie DC von Koks und Bands Hüsker Dü, Echo end the Bunnyman, The Fall uswusf. überschwemmt wird.
Wundervoll hier wie er die am Rande die Tragödie um Len Bias als roten Faden eingebaut hat.



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Karras

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erstellt am 02.01.2015 um 12:28 Uhr       Zitatantwort        #1902308

I stand corrected. Disgrace hat keinen Pulitzer Preis gewonnen, war der Nobelpreis für Literatur laut Einband.

@Lavernac: Das ist keine Trilogie sondern ein Quartett. Im englischen Original heißt der erste einfach nur "The Big Blowdown", übersetzt mit das große Umlegen, und der vierte "Shame the Devil". Shame the Devil von 2000 scheint einfach nur nicht ins Deutsche übersetzt worden zu sein. Laut einer Krimiwebsite liegts am Verlag, wahrscheinlich ist der nicht erfolgreich im Deutschen.

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Karras

C-Real

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erstellt am 11.02.2015 um 20:14 Uhr   Homepage besuchen  ICQ 257806157  Zitatantwort        #1905598

"Sturmhöhe" von Emily Bronte, im englischen Original. Hat ein paar eigenwillige Entscheidungen und einige Strecken, aber mein Gott, was für ein komplexes und vielschichtiges Teil. Ich habe mir schon Interpretationen dazu gegeben und andere Analysen. Sehr faszinierend.

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Karras

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erstellt am 11.02.2015 um 20:45 Uhr       Zitatantwort        #1905600

Sturmhöhe? Ach Wuthering Heights ist das, ich dachte gerade, wie heißt das denn dann im Original

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erstellt am 11.02.2015 um 20:55 Uhr       Zitatantwort        #1905601

Karras schrieb am 11.02.2015 um 20:45 Uhr:

Ach Wuthering Heights ist das

Das doch nen Lied von Kate Bush.

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De/Movit

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erstellt am 11.02.2015 um 21:50 Uhr   Homepage besuchen    Zitatantwort        #1905605

... mit einer Tanzchoreo und Kameraführung im Videoclip, die intensiven Drogenmissbrauch nahelegt.

Angeblich soll die Bush ja lange darüber gebrütet haben, wie sie das Buch in ihren viereinhalb Minuten Clip gequetscht bekommt.
C-Real

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erstellt am 12.02.2015 um 14:43 Uhr   Homepage besuchen  ICQ 257806157  Zitatantwort        #1905637

Was ist los mit euch ekligen Typen die Assoziation zu diesem tollen Buch mit irgendeiner Pop-Kacke in Verbindung zu bringen?! Wollt ihr euch nicht selbst in den Kopf schießen oder so?

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De/Movit

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erstellt am 12.02.2015 um 16:22 Uhr   Homepage besuchen    Zitatantwort        #1905642

Meine Blutgruppe passt leider nicht zur restlichen Wandfarbe.

Das ecklige ist ja eher, dass Kate Bush und ihre Pop-Kacke unter Abgesandten der Hochkultur großes Ansehen genießt.
C-Real

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erstellt am 12.02.2015 um 16:47 Uhr   Homepage besuchen  ICQ 257806157  Zitatantwort        #1905643

Ich wollte jetzt gerade mal informieren wer Kate Bush eigentlich ist. Den Namen kennt man. Aber nein, ich will#s irgendwie doch nicht.

Lest jedenfalls das Buch, es hat zu Recht einen Klassikerstatus.

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erstellt am 12.02.2015 um 19:39 Uhr       Zitatantwort        #1905657

C-Real schrieb am 12.02.2015 um 14:43 Uhr:

Was ist los mit euch ekligen Typen die Assoziation zu diesem tollen Buch mit irgendeiner Pop-Kacke in Verbindung zu bringen?! Wollt ihr euch nicht selbst in den Kopf schießen oder so?


Also mal halblang, selbst in Yorkshire im Bronte Museum, erwähnt die ältere Dame, die die Filmvorführung und die kurze Einführung zur Hauptausstellung macht, den Song von Kate Bush als nette Anekdote.

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erstellt am 12.02.2015 um 20:05 Uhr     ICQ 330224639  Zitatantwort        #1905663

als das Lied rauskam gabs doch noch gar keine Popmusik...

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erstellt am 23.03.2015 um 13:32 Uhr       Zitatantwort        #1908383

Hab nun "The Wise Man's Fear" durch und hab mich an "The Way of Kings" gesetzt, wird aber wohl unterbrochen, da bald das nächste Semester mit Haufen neuer Literatur losgeht.

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Karras

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