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Autor Druckansicht   Thema: Guillermo Del Toro - The Strain
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Caine

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erstellt am 13.12.2010 um 16:38 Uhr       Zitatantwort        #1706137

So oft habe ich das Buch schon in den Händen gehalten, wenn ich unseren Thalia besucht habe und nun habe ich es mir gekauft. Ich meine, sind wir ehrlich, es war absolut klar, dass ich es früher oder später lesen würde, also dachte ich mir "Bringe ich es hinter mich". Vampir-Apokalypse. Fast so gut wie Zombie-Apokalypse und bei meinem Faible für Endzeit-Romane war klar, dass ich nicht lange widerstehen kann. Naja, und Vampire sind ja auch cool, solange sich nicht glitzern. Jaja, mir war klar, dass es schrecklich geschrieben sein wird, aber so sehr ich mich auch mental darauf vorbereitet habe, so schwer ist es dennoch zu ertragen.

Aber fangen wir von vorne an. Guillermo Del Toro (seines Zeichens eigentlich Regisseur und Drehbuchautor, z.b. Pan's Labyrinth) und Chuck Hogan (seines Zeichens Autor von billigen Thrillern, die ich aufs Blut nicht ausstehen kann) haben in Kooperation eine Trilogie aufgesetzt, die sich mit der Vampir-Apokalpyse in den USA beschäftigt. Genre-mäßig sprechen wir hier von unaufhaltsamen Tötungsmaschinen, die sich Zombie-mäßig exponentiell vermehren und das Land gnadenlos überrollen. Also nicht die klassische Vampir-Geschichte vom düsteren charismatischen Baron und schon gar nicht von glitzernden Schwuchteln, sondern eher 30 Days of Night Style. Die Vampire sind eigentlich mehr wie Zombies, getrieben von unstillbarem Hunger, eher wie Tiere als der klassische Graf Dracula. Aber gut, damit kann ich leben. Immerhin ist das ja schon mit "I am Legend" von Richard Matheson aufgegriffen worden, mit dem die Story durchaus ein paar Parallelen aufweist. Dazu hat man sich noch ein bisschen bei Necroscope von Brian Lumley bedient, was den vampirischen Organismus betrifft, und auch Salem's Lot scheinen die Autoren gern gelesen zu haben. Eine Prise vom bestialischen Comic-Vampir a la "30 days of night" oder "Van Helsing" und ein paar Anleihen bei dem Original vom Bram Stoker. Nur ist es hier ein Flugzeug statt einem Schiff, dass den Sarg herbeitransportiert.

Dann erstmal zum Positiven: Chuck Hogan als Thriller Autor weiß wie man Spannung aufbaut und den Leser bei der Stange hält. Die Spannung wird schön langsam aufgebaut und die bedrohliche Atmosphäre zieht sich lange genug hin, ohne das etwas passiert, aber auch bevor es langweilig wird. Del Toro's Erfahrung als Drehbuchautor zeigt sich auch ganz klar, kann man sich das Buch doch direkt schon als Film vorstellen, mit kompletter Besetzung. Die ganze Palette klassischer Schockmomenten und unheimlicher Andeutungen wie in einem guten Mystery-Thriller wird aufgeboten. Das Buch liest sich super flott. Netterweise wurde, wie es im Thriller Genre heutzutage leider allzu unüblich ist, großteils auf unappetitliche Schilderungen verzichtet und die medizinischen Details kommen dankbar sachlich rüber ohne die Grenzüberschreitungskeule auszupacken.

Nun aber das negative: Die Schreibe ist grausam. Vielleicht nicht Stephanie-Meyer-mageninhalt-heraufbeschwörend grausam, aber immer noch unter aller Sau. Die ständigen pseudo-hochgestochenen Metaphern hängen einem extrem schnell zum Hals raus. Die Beschreibung des Gefühlszustands der hochgradig langweiligen Hauptakteure wirkt platt und aufgesetzt. Das Motiv der gleichzeitig stattfindenden Sonnenfinsternis wird bis zum Erbrechen plattgenudelt und die Vergleiche zwischen Sonnenfinsternis und Vampirbedrohung treiben mit die Tränen in die Augen. Ständige Sätze wie ". . . her clothes and skin could not have been dirtier if she had been sleeping in real dirt." oder "She could tell by the look on his face that he was troubled by the look on her face." sind einfach schwer zu ertragen. Zum Glück lenkt einen die Story meistens von der erbärmlichen Wortwahl ab, aber ich persönlich finde das unglaublich störend. Auch hätte man bis zur Taschenbuch Version doch genug Zeit haben sollen, grammatikalische Fehler auszubügeln.

Leider ist die Story aber auch nicht immer völlig kohärent und man darf sich von diversen Logik-Bugs nicht auf die Palme bringen lassen. Allein der Plan, die Weltherrschaft an sich zu reißen, indem man alle Menschen umbringt, lässt einen verzweifeln. Vermutlich lief der Dialog ungefähr so "Ooooooook, und was essen die Vampire dann, wenn sie alle umgebracht haben?" "Keine Ahnung, hab ich mir nicht überlegt. Ist aber auch egal, weil sie sowieso von irgendwelchen Heinis aufgehalten werden." Jo, und davon gibt es noch einige mehr. Gut, vielleicht wird es noch aufgeklärt, immerhin ist es eine Trilogie, aber ich zweifle ernsthaft daran.

Also, mein Fazit: Ja, es ist spannend und ja, es liest sich flott. Wenn man über Löcher in der Story und die grausame Schreibe hinwegsehen kann, ist es gute hirnfreie Unterhaltung. Also genau das, was ich davon erwartet habe. Trotzdem bleibt ein übler Nachgeschmack. Ich gebe mal eine bedingte Empfehlung für Vampir- und/oder Endzeitfanatiker raus. Aber beklagt euch nicht bei mir, wenn euch das Buch ankotzt.

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- Na, Sie werden doch wohl wissen, ob Ihr Enkelkind ein Junge oder ein Mädchen ist?
- Wieso?
- Wie heißt denn das Kleine?
- Hoppenstedt. Wir heißen alle Hoppenstedt.


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